Na Endlich, krank! Ein bisschen gaga, ein bisschen dada, ein bisschen gelangweilt.


So präsentiert sich das jüngste Produkt der deutschen Postpunk Szene das da heißt „Endlich Krank“ von Kala Brisella. Befeuert von Produzent Tadklimp (Oum Shatt) und geschliffen von Ralv Milberg (Die Nerven, Human Abfall) eiert sich die Platte nachhaltig in mein Bewusstsein.

Der Zufall wollte es, dass sich Jochen Haker, Dennis Deter und Anja Müller bei der Arbeit am Freiburger Stadttheater trafen. Der Zufall wollte es wohl auch, dass allen drei ein bisschen langweilig war, denn kurzer Hand wurde die Band Kala Brisella gegründet (Ob sie sich dafür krank gemeldet haben, ist übrigens nicht bekannt). Nach selbst organisierten Touren und einer EP haben Kala Brisella nun, 2 Jahre später, in einem Keller im Wedding ihren ersten Langspieler aufgenommen.

„Endlich Krank“ – so heißt der Titelsong der LP.

Endlich krank! Endlich Kopfschmerzen, endlich Gliederschmerzen, endlich Husten und Fieber – endlich frei! Scheiß auf den Job, endlich hast du Zeit, das Buch fertig zu lesen, die Bude aufzuräumen, den Kleiderschrank auszumisten, in der Sonne zu Sitzen, ok, das ist zu warm, doch wieder ins Bett, soziale Medien gecheckt, meine Zimmerdecke hat ja ein abgefahrenes Muster, und die Tapete erst. Vedammt. Es ist langweilig.

Na? Eingegrooved? Statt den letzten Absatz hier zu überfliegen, um zu verstehen wie sich das Hip sein, das Künstler sein und das unentschlossen-überfordert-post-teen sein anfühlt hättest du auch einfach das Video zur Single anschauen können:

Fühlt sich … echt an, oder?

Einfach keine gemütliche Position finden, wie weit kann ich meine Arme ausstrecken? Kann ich meine Fersen von hinten berühren? „Du bist ein Mensch!“. Der Satz bleibt hängen, so simple und plakativ er auch ist. Du bist ein Mensch! Entspann dich mal, gönn dir mal. Ein bisschen fühlt es sich an, als würde der alt-68er in der Kneipe einem Lebensweisheiten aufs Ohr drücken. Und dieses Mal hat er Recht.

Ähnlich wie die Texte ist auch die Musik ungehalten und ein bisschen brachial, wie ein Wasserzeichen beweist die Handschrift von Tadklimp und Milberg Originalität und Qualität der stürmenden, drängenden und empfindenden Kala Brisella. Ganz neu erfunden wird der Post-Punk hier allerdings nicht, aber das muss ja auch nicht sein, solange man, wie Kala, das beste draus macht.

Hoffentlich erscheinen für das Album noch ungefähr 10 Musikvideos,die sind nämlich ganz, ganz großes Theater.

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1 Kommentar

  1. […] mit kryptischen Texten zu durchbrechen. Eine perfekte Symbiose aus Ausbruch und Beruhigung! „Endlich Krank“ treibt alles nach vorne, verzerrte Riffs, kräftige Dissonanzen geben nur schwerlich Melodien […]

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