Eingängig-poppiger Indie-Rock aus Leipzig voller Tiefgründigkeit und emotionalen Ausbrüchen

Das erste Lebenszeichen der erst 2015 gegründeten, Leipziger Band HEART OVT erscheint in Form einer EP, die den verheißungsvollen Namen „We’re not supposed to be lovers“ trägt und damit schon ungefähr erahnen lässt, wo die Reise inhaltlich hingehen soll.

Gleich der Opener „29“, erinnert mit seinem typischen Gitarrensound und dem vertrackten Drumbeat an die Glanzzeiten des Emo-Rock und somit an Größen wie Jimmy Eat World oder spätere Taking Back Sunday. Die ruhige, angenehme Stimme des Sängers wandelt sich im Verlauf des Songs, hin zu nicht weniger angenehmen Screams, wie man es eher wieder von zeitgenössischen Bands gewohnt ist. „Wasted Time“, etwas rockiger, packt schon gleich zu Anfang die großen Melodien in Form eines catchy „oooh oooh“-Parts aus, grenzt sich aber allein aufgrund der hohen, musikalischen und kompositorischen Qualität des Songs von der aktuellen Chart-Massenware ab, bei welchen solche Stilmittel leider auch allzu gerne verwendet werden, während der hymnenhafte Chorus in puncto Eingängigkeit noch eine ganze Schippe nachlegt. Das folgende „Home is where your heart is“ hat den Charakter einer klassischen Emo-Ballade, die mit Einsatz eines Klaviers und aufrüttelnden, fetten Drums eine ganz eigene Dramatik zu erzeugen weiß. Bei „Four walls build a cage“ hält plötzlich äußerst gut gelaunter Gitarrenpop Einzug und schickt weiterhin große Melodien ins Land. Wenn man diesen Stimmungswandel erst verdaut hat, fällt es letztendlich auch nicht schwer die Veränderung anzunehmen. Das epische Cover von CHVRCHES‘ „Recover“ hat absolute Existenzberechtigung und stellt das brutal überzuckerte Original inständig in den Schatten. Was das auf einmal für ein wahnsinnig großer Song ist, wenn man ihm Druck und die nötigen Cojones verleiht! Mit dem wieder eher balladesken „Ghostcloud“ findet die EP ein angemessen emotionales, doch leider viel zu frühzeitiges Ende.

Das Minialbum ist absolut sauber, druckvoll, professionell produziert und wirkt zu keiner Zeit wie der Erstling einer jungen Band. Niveauvolle, englische Texte und handwerkliches Geschick beim Songwriting sind heutzutage längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Hier gibt es dahingehend nichts zu kritisieren. Einzig ein Quäntchen mehr Aggressivität hätte an manchen Stellen die Kirsche auf dem Emobecher sein können.

Zusammenfassung
9
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