„Auf die Fresse, fertig, los!“ – Schon jetzt ein heißer Anwärter auf das beste, deutsche Indierock-Album des Jahres.

Kosmonovski, ursprünglich als Projekt von „The A.M. Thawn“ Drummer/Sänger Holger Denninger gegründet, hat sich mittlerweile zu einer festen Band entwickelt. Besonders interessant an diesem neunköpfigen Kollektiv ist, dass es sich bei Denningers Mitmusikern ausschließlich um Menschen mit körperlichen und seelischen Störungen handelt, was die Band ja grundsätzlich zu einer „Inklusions-Combo“ und damit schon zu etwas Speziellem macht. Was man letztlich zu hören bekommt, lässt jedoch keinerlei Gebrechen in jeglichen Bereichen vermuten. Ganz im Gegenteil, druckvoll, melodiös, angepisst und dennoch irgendwie anders als alle anderen. Man spürt sehr deutlich, dass man es hier eben nicht mit einem losen Kollektiv, sondern mit einer starken Einheit Gleichgesinnter zu tun hat. Das findet im Übrigen auch ihr prominentester Fürsprecher Ingo Donot, der vor allem ausschließlich Gutes über die Livepräsenz der Band zu berichten hat.

„Echo“ beginnt mit einem fiepsigen Synthiesound, der den Song auch fast durchgängig begleitet, ohne von den arschcoolen Riffs und der trotzigen Stimme des Sängers abzulenken. Viel direkter und treibender kann Indierock eigentlich kaum sein. Nahtlos knüpft hier „Wut“ an und macht schon nach wenigen Sekunden deutlich, dass sich Kosmonovski zu keiner Sekunde vor den großen Indierockern der Republik zu verstecken brauchen. Zum ersten Mal richtig groß wird es im Anschluss mit „Ein Kleines Plädoyer“, bei dem sich mit Guido Knollmann ein weiterer Donot die Ehre gibt und hier seinen markanten Gesang beisteuert. Musikalisch ein eingängig-poppiger Rocksong, textlich ein „Plädoyer an die Menschlichkeit“, gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und ein ganz deutlicher Mittelfinger in Richtung der Wutbürger und Populisten, die seit einiger Zeit die Freiheit in unserem Land bedrohen. Absolut unpeinliches und höchst notwendiges Statement, Chapeau! „Nicht von gestern“ lebt in erster Linie von Denninger Erzählgesang und seinem, von Hoffnung nur so strotzendem Text! Man möchte sofort aufstehen und loslaufen, alle grauen Mauern hinter sich lassen, sobald man den tief emotionalen Chorus hört! Direkt die nächsten Kracher folgen auf der B-Seite mit „Nie mehr“ und „Tempo“, Punksongs allererster Güte, nachdenklich voller Gefühl und grantiger Wehmut. „Xanten“ und vor allem das Melodiemonster „Augen zu und Furcht“ reduzieren zwar leicht die Geschwindigkeit, punkten aber wieder mit höchst intelligentem, textlichen Inhalt. „Kasino“ macht den Deckel drauf und holt zum Abschluss noch einmal den Qualitätsindierock der A-Seite zurück und rundet das Album damit ab.

Das Vinyl ist übrigens absolut hochwertig gefertigt, gerade und ohne Auslenkungen, der Klang ist druckvoll und klar. Das Cover besteht aus angenehm matter, fester Pappe. Gut, von This Charming Man Records ist man auch nichts anderes gewohnt.

Wer keinen Bock mehr auf lauwarmen Hauptstadtrock mit halbgarem, pseudointellektuellen Inhalt hat, der möge sich bitte das Debut der Münsterländer zulegen. Jetzt.

Zusammenfassung
„Auf die Fresse, fertig, los!“ - Schon jetzt ein heißer Anwärter auf das beste, deutsche Indierock-Album des Jahres.
8
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