Die meisten Hörer werden von den Schweden Suffocate For Fuck Sake noch nie etwas gehört haben. Kein Wunder, hat die Band als letztes 2008 ein Album mit dem Namen „Blazing Fires And Helicopters On The Frontpage Of The Newspaper. There’s A War Going On And I’m Marching In Heavy Boots“ veröffentlicht und seitdem nicht wirklich etwas von sich hören lassen.

LP kaufen Vö: 14.07.2017 Moment Of Collapse

Letztes Jahr präsentierte die Band dann vorerst in digitaler Form das Album „In My Blood“, welches sich Moment Of Collapse Records angenommen haben, um es Anfang Juli physisch zu veröffentlichen. Insgesamt drei Jahre hat es gedauert bis das Konzept-Album, welches an Orten in Schweden und Deutschland aufgenommen wurde, fertig war.

Das Album ist eine Vertonung der Dokumentation „Förädlade Svenskar – Veredelte Schweden“ vom Investigativ-Produzenten und Autor Bosse Lindquist, der schon bei vielen Dokumentationen im schwedischen Radio Regie geführt hat. Auf „In My Blood“ geht es um Menschen mit geistiger Behinderung und die Thematik der Sterilisation und den Grundrechten, die damit zusammenhängen, aber auch um die Frage, ob ein Mensch mit einem niedrigen IQ weniger Wert ist, als ein Mensch mit durchschnittlichen Werten. Wenn man dem Schwedischen nicht mächtig ist, sollte man sich während des Hörens des Albums die Texte zur Hand nehmen, um den Geschehnissen folgen zu können.

Musikalisch hat man es hier mit recht klassischen Songs zu tun. Ruhige Parts werden durch sich aufbäumenden Gitarrenwänden unterbrochen. Eine gewisse Dramatik schwebt in den einzelnen Stücken mit. Zusätzlich werden in einigen Songs Zeilen von der österreichischen Künstlerin Charlee gesungen, was atmosphärisch sehr gut ins Gesamtbild passt. Ebenso werden neben klassischen Rock-Instrumenten Streicher und Klavier mit eingebracht, die für ein noch volleres Klangbild sorgen. Alles wurde in einer ausgeglichene Produktion verwirklicht, die jede Nuance perfekt erkennen lässt.

Suffocate For Fuck Sake schaffen es mit ihrem Konzept den Hörer in ein sehr schwieriges gesellschaftliches Thema zu entführen und lassen ihn teilhaben an der Verzweiflung, der Wut, der Hoffnungslosigkeit, um am Ende aber auch ein Gefühl von Erlösung aufkommen zu lassen. Man sollte sich schon eine Stunde Zeit nehmen, um in das Album einzutauchen. Am Ende wird man mit einem außergewöhnlichen Stück Musik belohnt.

Zusammenfassung
Die Post Metal-Szene ist seit vielen Jahren ein Garant für großartige Outputs. Auch wenn sich manche Größen auflösen, gibt es einige Konstante, die weiterhin fleißig neues Material veröffentlichen. Aber immer wieder erscheinen auch unbekannte Bands, die versuchen neue Wege zu gehen. Suffocate For Fuck Sake ist eine dieser Bands und deren neues Album ist wahrlich eine kleine Perle.
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